Immer Mitte der Woche berichte ich dir von meinem Eindruck zu einem Buch, in das ich versunken bin. Ich halte das für spannend, weil mir zumeist das Ende noch unbekannt ist und du mitfiebern kannst. Solltest du das Buch schon gelesen haben, mache ich dich vielleicht auf Textpassagen aufmerksam, die du gar nicht mehr präsent hattest. Vielleicht mache ich dich aber auch einfach auf ein Buch aufmerksam, dass du noch gar nicht kennst?


Die Eismacher – Ernest van der Kwast – 2016 – btb Verlag

Aktueller Lesestatus: Seite 140 von 384
ISBN: 978-3-442-75680-3

Ich bin noch nicht ganz in der Mitte des Buches angekommen. Doch schon jetzt weiß ich, dass ich Eis – besonders aus der Eisdiele – in Zukunft mit anderen Augen sehen und schmecken werde. Dass Eis damals noch draußen „geerntet“ werden musste, ist heutzutage kaum noch vorstellbar.

„Es wurde ein warmer, sonniger Tag, aber Giuseppe machte erst halt, als er unter seinen Schuhen Schnee knirschen hörte. Er war auf zweitausend Metern Höhe am Antelao, dem König der Dolormiten.“ (39)

„Er goss die abgekühlte Mischung in den von Schnee umringten Zylinder, nahm den Griff der Kurbel in die Hand und begann zu drehen, langsam, doch voll rasender Neugier auf das Ergebnis.“ (41)

Schade finde ich es, dass der Klappentext bereits so viel über das Buch verrät. Ich finde das nicht weiter schlimm, wenn die dort wiedergegebenen Inhalte in der Handlung entsprechend früh eintreten. Doch das ein oder andere geschieht erst nach mehr als 100 Seiten. Bei einem Roman, der keine 400 Seiten lang ist, wird auf diese Weise viel vorweg genommen.

Bisher habe ich nicht nur über das Eismachen, sondern auch über die Protagonisten und ihre familiären Traditionen einiges erfahren. Wohin die Reise letztlich führt, ist bisher noch nicht absehbar. Spannend ist die Geschichte bisher jedenfalls nicht.

Das Buch birgt in sich einen Hauch trockener, subtiler Komik. Das erinnert mich entfernt an den Stil von Jonas Jonasson. Die erste Kapitelüberschriften ist diesbezüglich sehr prägnant:

„Wie mein Vater sein Herz an eine 83 Kilo schwere Hammerwerferin verlor“ (5)

Tatsächlich bleiben die Kapitelüberschriften in diesem Roman nicht unbemerkt, sondern haben einen gewissen Gehalt. Das kann ich von vielen anderen Büchern nicht behaupten, weshalb ich Überschriften häufig einfach überlese.

Wenn es im weiteren Verlauf noch mit der Spannung klappt oder mir das Buch wenigstens gegen Ende eine Botschaft vermittelt, sich selbst durch einen tieferen Sinn legitimiert, bin ich zufrieden.

 

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tarlucy

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