Immer Mitte der Woche berichte ich dir von meinem Eindruck zu einem Buch, in das ich versunken bin. Ich halte das für spannend, weil mir zumeist das Ende noch unbekannt ist und du mitfiebern kannst. Solltest du das Buch schon gelesen haben, mache ich dich vielleicht auf Textpassagen aufmerksam, die du gar nicht mehr präsent hattest. Vielleicht mache ich dich aber auch einfach auf ein Buch aufmerksam, dass du noch gar nicht kennst?


Dunkelsprung – Leonie Swann – 2016 – Goldmann Verlag

Aktueller Lesestatus: Seite 274 von 382
ISBN: 978-3-442-48542-0

Diesmal bin ich etwas spät dran mit meinen Zwischen-Gedanken. Du wirst hoffentlich trotzdem deine Freude an diesem Beitrag haben. Denn Dunkelsprung ist ziemlich außergewöhnlich. Leonie Swann stattet das Buch mit Ideen aus, die mir bisher noch nicht in dieser Form begegnet sind. Ich würde das Buch im Bereich der Fantasy ansiedeln, doch bleiben manche phantastische Elemente so vage, dass sie auch durch bloße Vorstellungskraft erklärbar wären – auf eine gelungene Weise. Kurzum: Ich bin begeistert! Aber lest selbst am Beispiel des Schmetterlings: 

„Er beugte sich vor und scheuchte erst einmal den schwarz-weißen Schmetterling vom Schreibtisch. Der Schmetterling war nicht wirklich da. Green war sich einigermaßen sicher, dass er ihn sich nur einbildete, aber das hielt den aufdringlichen Flatterer nicht davon ab, Green schon seit Tagen auf die Nerven zu gehen.“ (80)

„Das Wesen kam auf Green zu, fing mit einer blau-getupften Chamäleonzunge den lästigen Schmetterling aus der Luft, kaute, lächelte ein bezauberndes Lächeln – bezaubernd trotz der vielen nadelspitzen Zähne und der Schmetterlingsreste, die noch zwischen ihnen zu erkennen waren (…).“ (97)

„Wie schön man denken konnte ohne den blöden Schmetterling! Trotzdem war es vermutlich wieder an der Zeit für die eine oder andere Therapiestunde.“ (97)

Was bildet man sich ein? Was ist pure Phantasie? Was ist tatsächlich real? Was ist Realität? Wann ist man verrückt? – Der Roman spielt mit diesen Fragen.

Ich habe keine Ahnung, was die letzten ca. 100 Seiten noch so in sich bergen. Der Roman ist humorvoll und nicht vorhersehbar. Man weiß, was passieren müsste, doch oft passiert etwas anderes. Oberflächlich scheint der Roman schlicht verrückt zu sein. Doch unter der Oberfläche brodelt ein feiner Sinn für das Menschsein, welcher die Geschichte auf eine ganz eigene Ebene rückt:

 „Der bloße Gedanke an all diese Möglichkeiten erschütterte ihn. Kein Wunder, dass die meisten Leute Tag für Tag denselben ausgetretenen Pfaden folgten, sich in ihre Büros und Werkstätten und Kanzleien und Praxen quälten und notfalls in Therapie gingen, nur um nicht ständig über dieses Knäuel von Möglichkeiten nachdenken zu müssen.“ (244)

„Es waren alles die falschen Fragen. Es ging nicht wirklich darum, ob etwas gefährlich war. Was war wichtig? Was war echt?“ (244)

Ich bin unglaublich gespannt darauf, wie der Roman ausgehen wird und möchte weiter einfach nichts verraten. Nur noch eines: Es geht nicht zuletzt um Flöhe. Doch ist der Flohdomteur Julius verrückt oder hat er tatsächlich eine besondere Verbindung zu seinen Flöhen? Wie viel bildet sich Detektiv Green nur ein? Das Legulas wirkt zumindest ziemlich real. Und was hat es eigentlich mit dem Magier Fawkes auf sich?

Hast du schon von dem Roman gehört?

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tarlucy

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