Buchrezension.
Der Duft von Eisblumen. Veronika May. 2016.

Rebekka ist als Karrierefrau und auch privat auf ihrem persönlichen Tiefpunkt angelangt. Im Stadtverkehr gehen ihr die Nerven durch und sie fährt ihrem Vordermann absichtlich auf die Stoßstange. Der Richter brummt ihr Sozialstunden auf, die sie bei einer alten Dame ableisten muss. Diese lebt in einer Villa mit riesigen Garten und hütet ein Geheimnis, welches Rebekka nach und nach zu Tage führt. Die Frauen scheinen mehr gemeinsam zu haben, als ihre bloße Dickköpfigkeit. Rebekka versteht, dass man sein Herz nicht ewig verschließen kann.

Der Roman ist sehr flüssig geschrieben. Der Leser erlebt alles aus der Perspektive der Protagonistin Rebekka. Gelegentlich findet jedoch gezielt ein kurzer Perspektivwechsel statt. Gesteigert wird diese Wechselhaftigkeit durch Briefe an einen Unbekannten. Deren Bedeutung klärt sich erst im Laufe der Geschichte. Trotzdem ist die Geschichte im Großen und Ganzen recht vorhersehbar. Es ist eben ein typischer Frauenroman, in dem die Protagonistin eine Selbstfindungsphase durchlebt. Dies schmälert jedoch nicht den Unterhaltungswert des Buches. Schließlich rechnet man schon damit, sobald man nur den Klappentext gelesen hat. Ich empfand das nicht als besonders nachteilig, denn ich hatte Lust auf ebensolche Geschichte. Es ist eben ein Wohlfühlbuch. Der Garten und die Blumenpracht der Villa spielen entsprechend eine große Rolle und sind für einzelne Charaktere sehr von Bedeutung. Wer schon immer ein klein wenig mehr über Pflanzen wissen wollte, wird wie der Titel verrät sicher seine Freude haben. Auch die wesentlichen Schauplätze sind schön beschrieben, sodass man sich während des Lesens ein gutes Bild davon machen kann.

Die Protagonistin wirkt für ihr Alter meiner Meinung nach zu naiv und blind für das Leben, manchmal fast kindisch. Doch von diesem Element lebt das Buch vermutlich, gerade in Bezug auf die Ausgangssituation, damit die Geschichte funktionieren und der Charakter sich wandeln kann. Denn erst im Verlauf der Handlung lernt Rebekka, ihre Augen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu öffnen. Die Autorin hat Charaktere geschaffen, die sich nicht über einen Kamm scheren lassen. Besonders die anfängliche Sturheit und Verschlossenheit, welche erst bröckeln muss, hat mir gefallen. Manche Szenarien oder Gedanken wurden jedoch leider sehr klischeehaft beschrieben. Das gilt besonders für Rebekkas berufliche Situation und für die sich entwickelnde Liebe. Das ist schade, aber zu verkraften.

Alles in allem hat mir der Roman gefallen. Denn es ist und bleibt ein Wohlfühlbuch und erinnert an die wichtigen Dinge im Leben. Wen es zu sehr stört, eine Geschichte vorhersehen zu können, sollte jedoch lieber die Finger davon lassen. Ich für meinen Teil würde mich wieder dafür entscheiden, das Buch zu lesen und kann es jedem empfehlen, der dazu in passender Stimmung ist.


Der Duft von Eisblumen von Veronika MayArt: Taschenbuch, Broschur

Erschienen: 08.08.2016

Umfang: 368 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-453-35881-2

Preis: 9,99 € [D] | 10,30 € [A]

Verlag: Diana

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