Buchrezension.
Der Heckenritter von Westeros – Das Urteil der Sieben. George R. R. Martin. 2013

Der Knappe Dunk nimmt das Schwert seines verstorbenen Herren an sich, um fortan als Ser Duncan an Turnieren teilzunehmen und so Ritter zu werden. Unterwegs trifft er auf den vorlauten Stalljungen Ei, der ihn fortan als Knappe begleitet und dabei gar nicht mal so unnütz ist. Ser Duncan ist ein fähiger Kämpfer, aber muss erst beweisen, dass ihm die Ehre eines wahren Ritters gebührt. Dabei macht er sich genauso viele Feine wie Freunde. Am Ende geht es um weit mehr, als nur um den Tuniersieg und auch Ei ist in Gefahr.

Der Sammelband enthält die drei in sich abgeschlossenen Geschichten Der Heckenritter, Das verschworene Schwert und Der geheimnisvolle Ritter. Diese bauen zeitlich aufeinander auf und handeln je von dem selben Protagonisten Ser Duncan. Dabei befinden sich zwischen den einzelnen Geschichten zeitliche Lücken, die erzählerisch offen bleiben und beim Übergang von der einen zur nächsten Geschichte schon mal etwas irritieren können. Meinem Lesespaß tat das keinen Abbruch.

Die Anthologien werden als Vorgeschichte zu A Game of Thrones beschrieben, die sich etwa 100 Jahre zuvor abspielt. Das stimmt soweit, doch als richtige Vorgeschichte würde ich diesen Sammelband nicht bezeichnen. Zum einen führt der Hauptcharakter, aus dessen Sichtweise der Leser alles miterlebt, ein bescheidenes Leben am Existenzminimum, ohne auf Machtkämpfe und Intrigen aus zu sein. Wir lernen dadurch eine andere Seite des Lebens in Westeros kennen. Zum anderen existieren die bekannten Charaktere aus der A Game of Thrones Reihe schlicht noch nicht. Das Urteil der Sieben ist keine Vorgeschichte, die uns bezüglich späterer Entwicklungen irgendwie aufklärt oder Hinweise liefert. Bekannte Familiennamen wie Stark oder Frey tauchen nur ganz nebenbei auf, zusammen mit einer unüberschaubaren Anzahl an Charakteren und weiteren Häusern, die im einzelnen selten eine besondere oder längerfristige Rolle spielen. Westeros noch unter Einfluss des Hauses Targaryen und ihrer Herrschaft über die Drachen zu erleben, ist dagegen schon interessanter.

Aufgrund der einen Erzählperspektive, aus Sicht von Dunk, erscheint die Handlung weniger komplex als A Game of Thrones. Beide Reihen sind dahingehend also nicht zu vergleichen. Doch das macht die Erlebnisse rund um Dunk und Ei nicht weniger unterhaltsam. Dabei haben die Charaktere gewohnte Tiefe. Sie haben genauso gute wie schlechte Eigenarten, was sie sehr authentisch und sympathisch macht. Als Leser kann man sich in Dunk und Ei gut hineinversetzen. Gemächlich wird Spannung aufgebaut, die dafür umso nachhaltiger wirkt. Die Wendungen sind nie vorhersehbar, egal wie sehr man versucht, die Handlung zu durchschauen. Nicht anders kennt man es von George R. R. Martin.

Was mich schon immer an den neuen deutschen Übersetzungen gestört hat, ist die Umbenennung von Namen und Orten. Als jemand, der die Bücher zunächst auf englisch begonnen hat zu lesen und vor allem die Serie auf englisch guckt, störe ich mich einfach daran. Ich kann es nicht oft genug sagen, in der Hoffnung, dass es irgendwann geändert wird und nicht mehr Königsmund, sondern Kingslanding heißt.

Die Vorgeschichte trägt nur einen unwesentlichen Mehrwert zur Reihe A Game of Thrones bei. Doch für einen echten Fan der Reihe lohnt es sich auf jeden Fall, da trotz allem viele bekannte Elemente auftauchen, die zum Teil einfach mal von anderer Seite beleuchtet werden. Ganz abgesehen davon, braucht man die A Game of Thrones Reihe nicht gelesen zu haben, um mit dieser Reihe sein Lesevergnügen zu haben. Ich bin gespannt auf den Folgeband, der sicher noch lange auf seine Veröffentlichung warten lässt.


Buch_Heckenritter01Art: Paperback, Klappenbroschur

Erschienen: 23.09.2013

Umfang: 416 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-7645-3122-5

Preis: 15,00 € [D] | 15,50 € [A]

Verlag: Penhaligon

 

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