Buch_FallenstellerBuchrezension.
Fallensteller. Saša Stanišić. 2016.

Fallensteller ist eine Sammlung an Kurzgeschichten, die von Menschen handeln, die im wörtlichen oder im übertragenen Sinne Fallen stellen. Es sind Menschen, die sich Verlockungen hingeben und Menschen, die sich befreien – sei es im Krieg und Spiel, mit Trug und Tricks oder Mut und Witz. So geht ein alter Mann seiner Leidenschaft als Magier nach, wird vom Publikum aber nicht gehört. Anders zwei Freunde, die gemeinsam durch Europa ziehen und dabei lügend und stehlend geschickt ihren Sehnsüchten hinterherjagen. Nicht zuletzt schreibt der Autor über den Fallensteller, einem Fremden, der helfen will und dazu Lösungen anbietet, die auf den ersten Blick nicht immer welche sind.

Stanišić weiß mit diesem Balanceakt aus Gegensätzen umzugehen. Seine Kurzgeschichten und Charaktere spiegeln dies wieder. Die Figuren sind genauestens ausgestaltet, aber wirken dennoch einfach. Vielleicht liegt das an der humorvollen Charakterisierung. Denn tatsächlich sind es oft die Charaktere und weniger die Ereignisse, die im Fokus stehen.

Letztlich sind es gerade die Dinge, die leicht erscheinen, hinter denen sich großes Können verbirgt. Außerdem erlebt der Leser die Geschichten entsprechend aus Sicht der Protagonisten. Dass alle Charaktere sympathisch sind, heißt es jedoch noch lange nicht. Vielmehr hat man für die eine Figur verständnisloses Kopfschütteln übrig, für die andere Person schlicht Mitleid. Doch gerade das macht die Kurzgeschichten so besonders und die individuellen, teils anstrengenden Charaktere für die Dauer einer Kurzgeschichte erträglich.

Einige Kurzgeschichten erfahren innerhalb des Buches eine Fortsetzung in einer nächsten Kurzgeschichte. Das hat mir gut gefallen, denn hatte man sich gerade an Handlung oder Charaktere gewöhnt, so muss man sich nicht gleich davon verabschieden. Mir haben nicht alle Kurzgeschichten zugesagt. Durch die einen habe ich mich durchgekämpft, die anderen regelrecht verschlungen. Aufgrund von Tiefgründigkeit und Moral hat mir die Kurzgeschichte, die zugleich Namensträger des Buches ist, am besten gefallen. Interessanterweise ist dies auch die mit Abstand längste Geschichte. Eine Übersicht über alle Kurzgeschichten findet sich auf den letzten Seiten.

Nicht zuletzt zeichnet sich das Werk durch den unverwechselbaren Schreibstil des Autors aus.  Stanišić weiß ganz klar Dinge anzusprechen, die sonst in Gedanken, wenn nicht gar im Unterbewusstsein, verborgen bleiben. Das erreicht er durch eine kreative und sehr bildhafte Ausdrucksweise wie es die folgenden Beispiele andeuten: „Thomas verstand nicht, der Applaus übersetzte es ihm.“ (15) oder „Ein Keiler übt an den Tomaten Rache für den Wildschweinbraten.“ (169).

Ich habe lange gebraucht, bis ich das Buch beendet hatte. Da es sich aber um Kurgeschichten handelt, die bekanntermaßen in sich abgeschlossen sind, war das kein Problem. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Kurzgeschichtenbänden. Trotzdem halte ich Fallensteller für lesenswert und kann das Buch jedem empfehlen, der sich für ein paar kurze Momente von einem einzigartigen Schreibstil gefangen nehmen lassen möchte.

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