Buch_WuesteWeltBuchrezension.
Wüste Welt. Wolfgang Popp. 2016.

Eine unerwartete SMS führt einen Musiker nach Marokko. Er durchquert das ganze Land auf den Spuren seines Bruders und erhält mysteriöse Hinweise, die auf seinen Aufenthaltsort hindeuten. Dabei begegnet der Suchende einigen interessanten Menschen und landet schließlich in der Wüste, bei einer Zeremonie von Geisterbeschwörern. Dort hofft er endlich, auf seinen Bruder zu treffen.

Der Roman konnte mich zunächst nicht richtig packen. Das liegt vermutlich an dem nüchternen Schreibstil des Autors und an dem pessimistischen Wesen des Protagonisten. Zudem bleibt der Protagonist namenlos, sodass zusätzlich eine Distanziertheit entsteht, die im weiteren Verlauf anhält. Unterstrichen wird dies durch Dialoge, die nicht wie üblich durch Anführungszeichen gekennzeichnet sind und durch häufig verwendete indirekte Rede. Kurzum: Als Leser erlebe ich die Geschichte sehr passiv mit. Ist das von Wolfgang Popp bewusst so inszeniert?

Was ich jedoch als sehr interessant empfunden habe, sind die Beschreibungen des Landes Marokko, sodass die Erzählung einen realistischen Eindruck auf mich macht. Die vielen Bekanntschaften, die der Musiker auf der Suche nach seinem Bruder macht, sind zwar flüchtig, scheinen dafür aber nicht selten intensiv oder mystisch angehaucht zu sein. Genauso schnell, wie der Roman begonnen hat, hat dieser dann auch wieder geendet.

Im ersten Moment schien das Buch nach dem Lesen in mir nicht viel zu hinterlassen. Es schien mir keine auffallende Botschaft zu vermitteln und nicht besonders tiefgründig zu sein. So saß ich da nun mit meinem Vorhaben, eine Rezension zu verfassen. Der Rezension sei Dank, habe ich vermehrt über das Buch nachgedacht. Je mehr ich über die Geschichte nachdachte, desto fragwürdiger erschienen mir die Erlebnisse des namenlosen Protagonisten. Gibt es seinen Bruder überhaupt? Ich hatte eher das Gefühl, diesen als geisterhafte Gestalt auszumachen. Zudem hat der besagte Bruder, der ebenfalls namenlos bleibt, alle Eigenschaften, die dem suchenden Musiker zu fehlen scheinen. Ist dieser Bruder vielmehr ein zweites Ich, auf dessen Suche sich hier begeben wird? Das Buch ist wesentlich tiefgründiger, als ursprünglich angenommen – eine vorschnelle Annahme, die nicht zuletzt dem Schreibstil und dem Wesen des Protagonisten geschuldet ist.

Interessant wäre es, die beiden zuvor erschienenen Werke des Autors zu lesen, da es sich offenbar um den dritten Teil seiner Trilogie des Verschwindens handelt. Das Buch lässt sich unabhängig davon lesen, doch würde eine Einordnung in das Gesamtbild möglicherweise weitere Zusammenhänge offenbaren.

Es ist nicht auszuschließen, dass es lesenswertere Bücher gibt, die eine ebensolche Thematik aufgreifen. Dennoch hat mich der kurze Roman gut unterhalten.

 

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