Buch_LebenElfenBuchrezension.
Das Leben der Elfen. Muriel Barbery. 2016.

Maria lebt in einem Dorf im Burgund. Sie hat eine besondere Beziehung zur Natur sowie den Tieren und kann sich mit letzteren auffallend gut verständigen. Clara wächst im Haushalt eines Pfarrers in den Abruzzen auf und spielt bezaubernd Klavier, ohne es je gelernt zu haben. Die Mädchen sind Findelkinder und wissen nichts voneinander. Schließlich sind es die Elfen, die das gegenseitige Kennenlernen fördern. Die außergewöhnlichen Fähigkeiten der beiden Kinder sollen die einst harmonische Verbindung der Menschen mit den Elfen wiederherstellen und Himmel und Erde wieder in Einklang bringen. Denn der bevorstehende Krieg gegen eine böse Macht droht dieses empfindliche Gleichgewicht zu zerstören.

Der Roman ist ganz klar außergewöhnlich. Barbery schreibt sehr poetisch und bedient sich extrem vieler Metaphern, die erstmal verinnerlicht werden wollen. Der Inhalt des Buches ist schwer zu greifen – als würde man diesen durch einen Nebelschleier hindurch rezipieren. Verstärkt wird das Gefühl durch abstrakte, vage Beschreibungen der auftretenden Situationen und auffallend langem Satzbau. Es sind die vielen Charaktere, die sich später teils als unwichtig entpuppen, die das Durcheinander noch weiter steigern. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass es hinten im Buch immerhin ein Personenregister gibt.

Die genannten Umstände erschweren es sehr, als Leser in dem Roman aufzugehen. Die Geschichte geht zum Teil über mein Vorstellungsvermögen hinaus und verhält sich im Kopf wie ein stets verblassender Traum. Der Roman bewegt sich nahezu in anderen Sphären, die nicht mit üblicher Fantasy vergleichbar sind. Vielmehr ähnelt die Geschichte einem Märchen oder einer Fabel, deren Interpretation auffallend vieldeutig sein kann und den Leser nicht ohne Rätsel entlässt. Der Roman passt damit partout in keine Schublade, was mir prinzipiell sehr zusagt.

Der thematischen Schwerpunkt scheint das Gleichgewicht der Natur zu sein. Dies ist verbunden mit künstlerischen, kulturellen und religiösen Gegebenheiten, die sich durch tadellosen Optimismus und vollkommene Offenheit seitens der Menschen auszeichnen und so auf den Leser einwirken. Der Zusammenhalt untereinander und das tiefreichende Wohlwollen der Menschen sind unvergleichlich und selten zu finden im phantastischen Genre. Das hat mir gefallen!

Muriel Barbery ist französische Philosophieprofessorin sowie Schriftstellerin, die sich nach ihren vorhergehenden großen Erfolgen, Die letzte Delikatesse und Die Eleganz des Igels zur Ruhe gesetzt hat sowie nach Japan gezogen ist. Ihr Mann Stéphane ist Psychologe. Diese Informationen helfen womöglich dabei, den anspruchsvollen Roman thematisch entsprechend einzuordnen.

Ich habe das Buch mit dem Gefühl beendet, inhaltlich längst nicht alles verstanden bzw. interpretiert zu haben. Dieser Lektüre sollte man sich nur in vollkommener Ruhe, konzentriert und mit einer gelösten inneren Einstellung, widmen. Vielleicht werde ich eines Tages erneut zu dem Buch greifen in dem Bewusstsein, die nötige Ruhe dafür endlich mitzubringen. Zum Vergleich werde ich sicherlich irgendwann zu einem ihrer Vorgängerwerke greifen, die weniger schwierig sein sollen.

Empfehlen kann ich das Werk denjenigen, die offen für anspruchsvolle Literatur sind und diese womöglich als Herausforderung betrachten. Nur in vollkommener Ruhe lässt sich die vage Schönheit der von Barbery erzeugten Welt, zwischen Erdung und Traum, verinnerlichen. Alle anderen, die einen bloßen Fantasy-Roman erwarten und auf schnelle Unterhaltung für Zwischendurch aus sind, werden schwer enttäuscht sein und das Buch womöglich nicht einmal beenden.

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