Buch_MechanikHerzensBuchrezension.
Die Mechanik des Herzens. Mathias Malzieu. 2014. Originalausgabe 2007.

Jack ist ein besonderer Junge. Seit seiner Geburt hat er ein mechanisches Herz in Form einer Kuckucksuhr, die jeden Tag neu aufgezogen wird. Nur eines muss er dabei beachten: Niemals, absolut niemals, darf er sich verlieben. Das würde sein zartes Uhrwerk nicht aushalten.

Es ist eine traurige Geschichte und nichts für schwache Herzen. Malzieu arbeitet wie gewohnt mit phantastischen Elementen und erschafft damit eine symbolisch aufgeladene, märchenhafte Atmosphäre. Denn der Roman ist ganz im Sinne eines Märchens abwechselnd schaurig-bizarr und anmutig-rührend.

Die einzelnen Charaktere haben ihre Eigenheiten und bleiben sich in dieser Beziehung durchweg treu. In meinen Augen hätten die Entwicklungen dieser Personen aber über die Zeitsprünge hinweg etwas tiefgreifender sein können. Was mich gestört hat, war die Unnachgiebigkeit und Sturheit mancher Charaktere, mit der ich mich nicht identifizieren konnte. Sehr gefallen hat mir jedoch die Geschichte an sich, die originell sowie skurril ist und sich dennoch mit realen Verhaltensweisen und Gefühlen beschäftigt.

Als Leser erleben wir die Liebesgeschichte aus der Sichtweise von Jack. Die Ich-Perspektive startet bereits im Säuglingsalter, was unkonventionell ist und mir daher sehr gefallen hat. So haben wir die gleichen Träume wie Jack und erliegen den selben Illusionen. So wie Jack versucht auch der Leser Traum und Wirklichkeit zusammenzuführen. Absolut unpassend finde ich allerdings die sexuellen Anspielungen eines Jungen im Säuglings- und Kindesalter, die einen unangenehmen Beigeschmack hinterlassen und mich aus der Perspektive ebenjenes Jungen herausreißen, indem ich automatisch an den Autor erinnert werde.

Inhaltlich passiert in Die Mechanik des Herzens deutlich mehr als vergleichsweise in Der kleinste Kuss der Welt, welches vor zwei Monaten mein erstes Buch von Malzieu war. Letzteres gefällt mir dennoch besser und ist mir deutlich mehr ans Herz gewachsen. Es ist eine sehr fragile und zarte Geschichte, neben der mir Die Mechanik des Herzens fast rabiat und grob vorkommt.

Diese Einschätzung hat jedoch keinen Einfluss auf den Schreibstil des Autors, der gewohnt bildreich ist. Im Gegenteil frage ich mich, ob mir Die Mechanik des Herzens besser gefallen hätte, wenn es mein erstes Buch von Malzieu gewesen wäre. Ein größerer Leseabstand zwischen den Büchern ist sicherlich zu empfehlen, wenn man die am Boden verankerten Traumwelten in vollen Zügen genießen und wertschätzen möchte.

Alles in allem hat mir der Roman gefallen, sodass ich meine Empfehlung aussprechen kann an diejenigen, die gerne in eine tragisch-traumhafte, von Liebe und Eifersucht beherrschte Geschichte eintauchen möchten.

Verlagsseite

 

 

 

Advertisements