Buch_BlackRabbitHallBuchrezension.
Black Rabbit Hall. Eve Chase. 2016.

Amber Alton weiß, dass die Zeit auf Black Rabbit Hall, dem Sommersitz ihrer Familie, ungewöhnlich langsam vergeht. Das mag daran liegen, dass einfach nie viel passiert. Doch das ändert sich an einem stürmischen Abend des Jahres 1968. Vereint durch eine unfassbare Tragödie, müssen sich Amber und ihre drei Geschwister mehr denn je aufeinander verlassen. Jahrzehnte später fahren Lorna Smith und ihr Verlobter Jon auf der Suche nach der richtigen Hochzeitslokalität durch Cornwall. Dabei entdecken sie ein altes, leicht verfallenes, aber wunderschönes Haus, dass in Lorna gleich etwas auslöst.

Wie die Inhaltsbeschreibung schon erahnen lässt, wechselt die Autorin stets zwischen den beiden Zeitsträngen um Amber und Lorna hin und her. Das geschieht in relativ mäßigen Abständen, sodass man sich nicht aus der Erzählung herausgerissen fühlt und zugleich schnell wieder in die Perspektive der nachfolgenden Protagonistin hineinfindet. Die Charaktere sind sehr interessant dargestellt, denn die inneren Konflikte scheinen bei der Charakterentwicklung sehr im Mittelpunkt zu stehen. So werden die verschiedenen Beweggründe selbst bei Handlungen mit katastrophalen Auswirkungen nachvollziehbar dargestellt.

Die Atmosphäre, die Eve Chase rund um das Haus in Cornwall aufbaut, ist einfach wundervoll. Beinahe hat man das Gefühl, selbst schon einmal in dem alten Gebäude gewesen zu sein und wünscht sich, einmal mit den vier Alton-Kindern durch den dortigen Wald zu schlendern. Mit dieser Kombination aus Charakteren, Umgebung und Atmosphäre schafft es die Autorin, im Leser eine besondere Vertrautheit zu wecken. Unterstrichen wird dieses Gefühl von vielen kleinen Details, wie einem kleinen Kringel auf einem Globus – scheinbar unbedeutend, wird selbst diese Erwähnung in einen Zusammenhang gebracht. Dadurch wird die Geschichte zeitgleich sehr in die Länge gezogen, verfängt sie sich doch in der Liebe zu ebenjenen Details. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich von der Geschichte, die ihr ganz eigenes Tempo hat, gefangen nehmen zu lassen – als müsste man ihr das gesondert gewähren.

Darüber hinaus ist der Roman an entscheidenden Stellen leider etwas vorhersehbar. Meine eigenen Vermutungen habe ich häufiger bestätigt gesehen, sodass man sich gerade gegen Ende fragt, wann die Autorin endlich auf den Punkt kommt. Und plötzlich geht von da an alles sehr schnell. Das ist aber zu verkraften, wiegt man die Geschichte mit liebevoller Charakterentwicklung und atmosphärischer Ausgestaltung wieder auf.

Der Debütroman ist jedem zu empfehlen, der sich auf ein langsames Werk einlassen kann, dass sich im Gegenzug mit einer tragischen, ereignisreichen und zugleich rührenden Geschichte bedankt. Nicht zu empfehlen ist es einem Leser, der auf packende Spannung und eine schnelllebige Geschichte abzielt.

Verlagsseite

 

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