Buch_TrickBuchrezension.
Der Trick. Emanuel Bergmann. 2016.

Im Jahr 1934 verändert ein einziger Zirkusbesuch das Leben des jungen Rabbinersohns aus Prag, Mosche Goldenhirsch. Als er die Zauberkunststücke des legendären Halbmondmannes und seiner hübschen Assistentin sieht, beschließt er sich diesem Zirkus anzuschließen und wird zum Großen Zabbatini. Kaum zu glauben, was 2007 aus dem einst prächtigen Mann geworden ist, als er dem jungen Max Cohn begegnet. Max hat sich auf die Suche nach dem Zauberer gemacht, weil er auf seine Hilfe hofft. Nur ein Zauberspruch kann die Scheidung seiner Eltern noch verhindern.

Diese Geschichte ist stark geprägt von zeitgeschichtlichen Geschehen und dennoch zeitlos. Als Leser verfolgen wir das Leben von zwei Kindern, Mosche und Max, zu völlig unterschiedlichen Zeiten an völlig unterschiedlichen Orten. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto näher kommen sich diese zwei Leben, bis beide Erzählstränge schließlich zu einem verwoben werden. Es ist eine Geschichte, die auf ganz eigene Weise zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft pendelt.

Dabei gefällt mir der Schreibstil des Autors sehr gut. Die ernsthaften Themen des Buches schmückt Bergmann auf tragisch-komische Weise aus und trifft damit meinen Geschmack. Er schafft es, mir zwischen den Zeilen viel Platz zur eigenen Ausgestaltung zu lassen, sodass ich mich meist sehr gut in die Lage und Gedankenwelt der Personen einfühlen kann. Nur der unsympathische, ehemals Große Zabbatini im Jahr 2007 bleibt lange ein Rätsel, das man im Laufe der Zeit doch immer mehr verstehen lernt. Das Buch wird oft sehr von den kindlich-leichten Sichtweisen getragen, sodass erstaunlicherweise ein starker Kontrast zum zweiten Weltkrieg und zum Scheidungsthema entsteht. Es ist angenehm, nicht immer die schwere Last einer erwachsenen Perspektive mit sich zu tragen.

Die Ereignisse versetzen mich in die verschiedensten Stimmungslagen – von Zorn über Ohnmacht bis hin zu Mitgefühl und Hoffnung. Das Buch hat mich, trotz der tragischen Ereignisse rund um die Judenverfolgung oft zum Schmunzeln bringen können. Am Ende konnte ich Der Trick einfach nicht mehr aus der Hand legen, der Roman hat mich sehr berührt. Immer, wenn man die Geschichte zu durchschauen glaubt, kommt alles anders als erwartet. Dieses Phänomen hält sich bis zum Schluss.

Buch_Plakat_Trick

Gewöhnlich gehe ich nicht auf Buchcover ein, doch dieses ist inhaltlich recht treffend. Auf dem Cover ist tatsächlich ein Zauberer, Howard Thurston, abgebildet. Dieser war vor 100 Jahren in den USA populär. Abgebildet ist der Ausschnitt eines entsprechend alten Werbeplakats für seine Thurston-Tour durch die USA im Jahr 1915.

Dieser Roman ist uneingeschränkt weiterzuempfehlen! Es sollte lediglich bedacht werden, dass zwar die Judenverfolgung und der Zweite Weltkrieg thematisiert werden, diese Themen aber nicht gänzlich mit der gewohnten Schwere beladen sind. Wer dieses Buch lesen möchte, sollte das also berücksichtigen.

Advertisements