Buch_MenschenfeindBuchrezension.
Der Menschenfeind. Molière (Jean-Baptiste Poquelin). 2008. Originalausgabe 1667.

Alceste verachtet voller Überzeugung die von Heuchelei und Genusssucht geprägte Gesellschaft. Doch ausgerechnet er verliebt sich in Célimène, welche fest in ebenjener Gesellschaft verankert ist.

Ich habe mir vorgenommen, ab und an mal einen Klassiker zu lesen. Natürlich möchte ich euch daran teilhaben lassen. Denn bisher habe ich die Entscheidung nicht bereut.

Bei diesem Stück, entsprechend in Dialogform geschrieben, handelt es sich um eine tragische Komödie in fünf Aufzügen. Es ist ein echter Klassiker und obwohl bereits 1666 uraufgeführt, ist die Geschichte nahe am Zahn der Zeit.

Das Buch hat definitiv Biss und die Ansichten Alcestes haben, all seiner Sturheit zum Trotz, etwas sehr Befreiendes. Denn der Protagonist wagt offen die schlechten, gesellschaftlichen Angewohnheiten zu kritisieren. Angewohnheiten, die leider bis heute Bestand haben und durch Alceste einer Kritik ausgesetzt sind, die uns einen Spiegel vorhält. Das Stück ist geprägt von ständigen Meinungsverschiedenheiten und Wortgefechten. Neid, Eifersucht und Betrug sind die Regel. Zusammenhalt ist eher die Ausnahme. Das Buch gleicht einer Soap Opera. Doch diese altertümliche Variante ist für mich definitiv unterhaltsamer als das moderne Gegenstück im täglichen Fernsehen.

In meinen Augen fängt das Stück sehr stark an. Doch mit dem erzählerischen Schwerpunkt, den die Geschichte nimmt, habe ich weniger gerechnet. Es scheint sich im Ganzen mehr um die Liebe zu drehen als um gesellschaftliche Kritik durch Alceste. Dieser ist in seinen Aussagen und Handlungen sehr sprunghaft und weniger Menschenfeind als gedacht. Doch zeigt die Geschichte sehr schön auf, dass die Liebe schlicht keinen logischen Gesetzmäßigkeiten folgt. Der Ausgang des Buches hat mir aber sehr gefallen, denn es hätte meiner Ansicht nach kaum anders kommen dürfen und zeugt doch von moralischem Wert.

Wer Hardcover dem eBook vorzieht, dem kann ich den Anaconda-Verlag sehr empfehlen. Die Bücher kosten keine vier Euro und beim Stöbern auf der Verlagsseite stößt man auf interessante Klassiker.

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