Buch_FluesseLondonBuchrezension.
Die Flüsse von London. Ben Aaronovitch. 2014. Originalausgabe 2011.

Peter Grant ist kaum Police Constable, als ihm schon die erste seltsame Begegnung wiederfährt. Das bleibt nicht lange unbemerkt. Polizeiinspektor Nightingale, der letzte Zauberer Englands, führt ihn schon bald in die Grundlagen der Magie ein. Ein Mord führt den unerfahrenen Zauberlehrling Grant auf die Spur eines Schauspielers, der 200 Jahre zuvor an eben jener Stelle den Tod fand. Als sei dieser Fall nicht genug, muss er zeitgleich die Fertigkeiten der Magie und deren Geschöpfe kennen lernen. Er muss einen Waffenstillstand zwischen Themsegöttin und Themsegott aushandeln und aufpassen, dass er nicht auf die Tricks ihrer Angehörigen reinfällt. Doch selbst unter den Polizisten sind Zauberer nicht gerade beliebt.

Es heißt, dieses Buch erinnere an einen erwachsenen Harry Potter, der zur Polizei geht, um Kriminalfälle zu lösen. Ganz abstreiten kann ich das zumindest inhaltlich nicht, obwohl sich Peter Grant charakterlich sehr von Harry Potter unterscheidet und für sein Alter im Vergleich erst spät zur Magie findet. Der Protagonist Grant erscheint oft naiv und unwissend, da er in die magische Welt hineingeworfen wird, ohne über so manche Begebenheiten aufgeklärt worden zu sein.

Allein die Seitenanzahl des Buches weist darauf hin, dass es vermutlich nicht die erzählerische Tiefe erreichen kann wie beispielsweise ein dicker Harry Potter Band. Das ist wohl nicht selten der Fall im Fantasy-Genre. Die Flüsse von London ist genau genommen Urbanfantasy und nicht zuletzt Krimi. Tatsächlich gewinnt man den Eindruck, man befände sich in einer abgeklärten Magiewelt mitten auf den Straßen Londons. Dem Leser begegnen eher abgebrühte und zwielichtige Geschöpfe statt wunderbar süßer Zauber.

Der Autor bemüht sich nicht um eine einleitende Bekanntmachung mit seinen Charakteren und der dazugehörigen magischen Welt. Ganz im Gegenteil: Schon nach den ersten zehn Seiten ist man mitten im Buch gelandet. Wir werden in die verborgene Welt hineinkatapultiert und stehen stets vor den selben Fragen wie der Zauberlehrling.

Die Flüsse von London lässt sich in meinen Augen als unterhaltsames Durcheinander schildern. Die Geschichte wirkt an manchen Stellen nicht gut entwickelt, enthält aber fabelhafte Ideen und trumpft auf mit einem tollen Ende. Das Buch schwimmt jedoch eher an der Oberfläche und erinnert mich vom Stil her mehr an Terry Pratchett als an Harry Potter. Pratchett lässt seine Scheibenwelt ebenso gern als absolut selbstverständlich erscheinen und gibt dem Leser schon von Beginn an das Gefühl, mitten drin zu sein.

Empfehlen kann ich das Buch allen, die sich gern auf skurrile und verrückte Begebenheiten einlassen und allen, die zugunsten einer schnelllebigen Geschichte auch gern auf Tiefe verzichten. Mit einem Harry Potter sollte man nicht rechnen. Und zu guter Letzt: Ein großer Leser von Krimis bin ich nicht, doch kombiniert mit Fantasy ergeben sich ungeahnte Energien.

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