Buch_KussWeltBuchrezension.
Der kleinste Kuss der Welt. Mathias Malzieu. 2015. Originalausgabe 2013.

Ein melancholischer Erfinder begegnet an einem Tanzabend der hinreißend schönen Sobralia. Spontan und mutig gibt er ihr einen flüchtigen Kuss, der sie jedoch unsichtbar werden lässt. Getrieben von Sehnsucht, versucht der Erfinder alles, um die geheimnisvolle Frau wiederzufinden. Dazu greift er auf einen sprechenden Papageien zurück, der die Unsichtbare für ihn aufspürt und Liebesbotschaften an sie weiterträgt. Eine zarte Beziehung entfaltet sich zwischen dem Erfinder und der jungen Sobralia. Doch beide tragen Lasten mit sich, die es zu überwinden gilt. Wagt es die Unsichtbare, ihrem Erfinder ihr wahres Gesicht zu zeigen?

Dieses Buch hat mich schlicht verzaubert. Es ist stark und reich an Metaphern, die nie abgedroschen und altbacken, sondern stets einfallsreich sind. Diese Metaphern bereichern den sowieso schon poetisch anmutenden Schreibstil Malzieus. Es ist eine zarte und fragile Geschichte. Die Welt, die der Autor hier erschaffen hat, ist phantastisch und steckt zugleich voller wahrer Botschaften. Es ist eine selbstverständliche Vermischung von Realität und Fiktion, die ebenso unauffällig scheint wie Sobralia. Dieses Buch fasst man nur mit Samthandschuhen an.

Wir fühlen mit aus der Ich-Perspektive des Erfinders, doch die Sorgen und Sehnsüchte Sobralias stehen dem in seiner Intensität dadurch nichts nach. Zwischenzeitlich droht die Geschichte in den Abgrund einer Dreiecksbeziehung zu rutschen. Doch Malzieu löst diese Situation gekonnt und auf eine für mich moralisch wertvolle Weise. Diese Geschichte bewegt sich in traumgleichen Lüften, ohne dabei den Boden der Tatsachen aus den Augen zu lassen und Dinge unnötig zu beschönigen.

Ich kann kaum Negatives zu dem Buch äußern. Maximal, dass die Brüste einer Frau offenbar besondere Aufmerksamkeit zu genießen scheinen. Da es sich jedoch um die Sehnsüchte und Eindrücke aus der Sicht eines Mannes handelt, ist dies aus Sicht einer Frau mit einem Lächeln leicht hinzunehmen. Den Roman kann ich jedem empfehlen, der gerne mal in eine zauberhaft leichte Geschichte mit zartem Romantikfaktor abtauchen möchte. Eine Geschichte, die dabei auch die Schattenseiten und Ernsthaftigkeiten einer Liebe nicht vergisst.

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