Buch_CircleBuchrezension.
Der Circle. Dave Eggers. 2015.

Die 24-jährige Mae Holland hat einen Job in dem Spitzenunternehmen Circle ergattert und ist überglücklich. Der Internetkonzern ist über die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter lange hinausgewachsen, denn es gibt nur noch die eine Internetidentität, über die schlicht alles abgewickelt wird. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz würde die Welt eine bessere werden, sagen die drei Weisen, die den Konzern leiten und eben dieses Ziel verfolgen. Mae tritt voller Begeisterung ein in die einladende Welt des Circle, die einfach alles zu bieten hat. Oder nicht?

Dave Eggers hat die Ideen und Vorstellungen des Circle sehr gut ausgearbeitet. Viele der Projekte, die im Circle ihre Verwirklichung suchen, greifen wunderbar ineinander und sind erschreckend realitätsnah. Das Ziel des Circle ist die absolute Vollendung. Der Glaube an den Circle als Weltverbesserer hat damit nahezu religiöse, wenn nicht fanatische Tendenzen. Die Detailliebe, mit der sich Eggers dem Circle widmet, gefällt mir. Doch leider scheint das auf Kosten der Charaktere zu gehen, die konträr dazu eher platt dargestellt werden.

Die Protagonistin Mae löst schlicht ein Kopfschütteln in mir aus. Es gibt viele Passagen in dem Buch, in denen ich Mae am Liebsten einfach wachgerüttelt hätte. In meinen Augen hat Mae keinerlei Rückgrat und Charakter. Sie ist leicht zu manipulieren und wird extrem naiv dargestellt. Sie ist blind was ihre Mitmenschen angeht und in diesem Sinne trotz guter Vernetzung alles andere als sozial. Sie merkt nicht, dass ihr Privatleben verkommt. Ebenso wenig merkt sie, dass mit ihr reinste Gedankenwäsche betrieben wird. Am Ende war ich nur noch froh, das Buch aus der Hand legen zu können.

Ich habe mich sehr über Mae geärgert und mich gefragt, weshalb sie so charakterschwach dargestellt wird. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass sie stellvertretend für uns alle steht. Mae repräsentiert all diejenigen unter uns, die sich vor dem verschließen, was mit unseren persönlichen Daten geschieht. In dem Buch gibt es selbstverständlich auch Charaktere, die eine – wenn auch schwache – Gegenposition einnehmen. Hier habe ich mir inhaltsstärkere Konfrontationen erhofft.

Mein Fazit: Das Buch greift eine Thematik auf, die in der heutigen Zeit enorm relevant ist. Eine ausreichende Medienkompetenz und ein Bewusstsein für die Macht digitaler Medien sind enorm wichtig. Dem entsprechend war es mir ein Vergnügen, eine Dystopie aus der nahen Zukunft zu lesen. Richtig, über Mae ärgern wir uns, doch hält sie uns zugleich einen Spiegel vor. Aus diesem Grunde sind auch die einseitigen Charaktere zu verkraften, dominiert doch die wichtige Botschaft des Romans.

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