Buch_MeerNameBuchrezension.
Das Meer in deinem Namen. Patricia Koelle. 2015. Originalausgabe 2013.

Niemand redet darüber, wie Carlys Eltern ums Leben kamen. Das Meer ist in diesem Zusammenhang erst recht tabu und angsteinflößend. Mit einer solchen vorgelebten Einstellung wächst Carly bei ihrer Tante Alissa auf. Erst das Angebot, ein altes Reetdachhaus an der Ostsee für den Verkauf vorzubereiten, befördert Carlys tief verborgene Sorgen und Ängste an die Oberfläche. Ist sie zufrieden mit ihrem bisherigen Leben und dem, was ihre Zukunft für sie bereit hält? Kann sie sich endlich von ihrer unerfüllbaren Liebe zu ihrem Astronomie-Professor lösen, bei dem sie bisher als Hilfskraft und gute Seele angestellt war? Erstmal an der Ostsee angekommen, fühlt sich Carly der kürzlich verstorbenen Bewohnerin des Reetdachhauses jedenfalls schnell nahe und geht ihrer Geschichte auf die Spur.

Der Roman ist Harmonie pur. Alle Vorhaben gelingen und die Charaktere sind durchweg nett und hilfsbereit. Die einen Leser nennen es Langeweile, die anderen versetzt das Buch in einen nahezu meditativen Zustand. Wozu neigst du? Die Frage sollte man sich durchaus stellen, bevor man sich den gut fünfhundert Buchseiten widmet.

Wer nach wie vor nicht abgeneigt ist, den erwartet eine positiv stimmungsgeladene Atmosphäre. Denn Patricia Koelle kommt vor allem deshalb auf über fünfhundert Seiten, weil sie uns das Meer und den Wind spüren lässt. Ihre Ausführungen über die Ostsee und die vor allem dadurch geprägten, poetischen Gedanken der Protagonisten sind sehr umfassend und tiefgreifend. Dieser ausladende Erzählstil hat mir gefallen und meine Vorstellungskraft ordentlich angekurbelt.

Die Charaktere waren mir persönlich zu glatt geschliffen. Es fehlt ihnen an Ecken und Kanten und gibt es diese doch mal, so werden sie nur am Rande ausgeführt und Verlaufen im Sande. Carly in ihrem Denken und Handeln macht auf mich einen naiven Eindruck. Die Menschen in ihrem Umfeld scheinen Carlys Leben mehr in die Hand zu nehmen, als sie selbst. Wäre sie also an weniger nette Charaktere geraten, hätte die Geschichte ganz anders für sie ausgehen können. Zwar rätselt man zusammen mit Carly über Ereignisse, die sich in der Vergangenheit zugetragen haben, doch darüber hinaus fehlt es dem Roman eindeutig an Spannung.

Statt dessen lädt Koelle uns zum Verweilen an die Ostsee ein. Sie entspannt unsere Lesegemüter von einem Alltag, der oft stressig sein kann. Der Roman bietet sich uns als Kontrastprogramm zum Stadtleben an und lädt zum Träumen ein.

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