buch_nachtgefangenentraeumeBuchrezension.
Die Nacht der gefangenen Träume. Antonia Michaelis. 2014. Originalausgabe 2008.

Frederic fühlt sich an seiner neuen Schule richtig unwohl, denn etwas Seltsames geht dort vor sich. Seine Mitschüler zeichnen sich allein durch bedingungslose Strebsamkeit aus und sind darüber hinaus gänzlich fantasie- und interessenlos. Einzig Änna scheint Frederics Sorgen zu verstehen. Gemeinsam finden sie heraus, dass den Schülern ihre Träume gestohlen wurden. Es bleiben ihnen wenige Tage, um sich dem gefährlichen Treiben entgegenzustellen und die gefangenen Träume ihrer Mitschüler zu retten. Dazu müssen sie jedoch ihre Angst vor den Albträumen überwinden und über ihre Grenzen hinausgehen.

In meiner Kindheit hätte ich mir ein solches Buch sehnlichst gewünscht. Schade, dass es zu diesem Zeitpunkt erst noch geschrieben werden musste.

Antonia Michaelis verwendet einen einfachen Sprachstil, der für das junge Alter der Hauptcharaktere von etwa dreizehn Jahren durchaus passend ist. Die einzigartige Geschichte rund um Frederic und die Träume lebt von kreativen Metaphern, eigenen Wortkreationen und verrückten Erfindungen.

Neben der fantastisch ausgestalteten Geschichte selbst, liegt die Stärke des Buches besonders in den Botschaften, die es transportiert: Menschen müssen Träume haben, um sich zu entfalten und über das Gewöhnliche hinausgehen zu können. Es sind Individuen, die das Mensch sein ausmachen und nicht die Gleichschaltung hin zu einer Massenidentität. Es sind Werte wie Freundschaft, die es vermögen uns aufzuzeigen, wer wir tatsächlich sind und was uns ausmacht. Selbst für das Böse gibt es in diesem Buch einen erklärbaren Ursprung, der nachvollziehbar beschrieben wird. Auf gleiche Weise braucht es neben guten Träumen auch die Albträume, die sich mahnend vor einem aufbauen oder unliebsame Erinnerungen wecken. Die Albträume konfrontieren uns damit, wer man sein will oder wer gerade nicht. Selbst das Aufschreiben des Erlebten wird dem Leser als erneutes Erleben und als Verarbeitung eigener Erinnerungen nahegebracht. Erst während wir das Buch lesen, entsteht die Geschichte rund um die Träume, welche einmalig gut und liebevoll von der Autorin beschrieben werden. Obwohl die Erlebnisse ab und an vorhersehbar sind, macht das Buch Spaß und entlässt den Leser am Ende mit einer ganz besonderen Überraschung.

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